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 Bausatzvorstellung Teil 2 Revell/Heller Golden Hind

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Albrecht
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Laune : Pessimist:dann bin ich nie enttäuscht wenns besser kommt.
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BeitragThema: Bausatzvorstellung Teil 2 Revell/Heller Golden Hind   Sa 6 Dez 2014 - 18:07

Hallo zusammen,
Vor gut einem Jahr habe ich hier im Forum eine Art Bausatzvorstellung zur „spanish Galleon 1600“ von Heller gemacht.
Gezeigt wurde, wie Heller aus einer Form vier verschiedene Modelle auf den Markt gebracht hat. Resonanz gab es erstmal wenig,
was aber nicht schlimm ist. Nach einem Jahr sind aber schon fast 2000 Klicks auf diesen Beitrag zu verzeichnen.
Das sind umgerechnet über 5 Klicks pro Tag!! Es zeigt mir das weltweit wohl Interesse an dem Thema besteht.
Hier nochmal der link zu meiner ersten Bausatzvorstellung der spanish Galleon von Heller:

http://modellbauer.forum-aktiv.com/t8010-die-heller-galeone-1600-etwas-naher-betrachet

Um einen dauerhaften Beitrag zum Plastikmodellbau hier im Forum einzubringen, habe ich mir überlegt,
je nachdem es mir zeitlich möglich ist, in loser Reihenfolge diese Bausatzvorstellungen von Plastik-Segelschiffen fortzusetzen.
Natürlich mit kürzeren Zeitabständen als einem Jahr.
Warum Plastiksegelschiffe?:
Seit Mitte der 1960er Jahre baue ich Segelschiffe aus Plastik. Da hat sich das ein oder andere Hintergrundwissen angesammelt
und es ist der Plastikmodellbaubereich in dem ich mich ganz gut auskenne. Es gibt Kits von Segelschiffmodellen die,
wenn nur noch übers Internet, schwer zu bekommen sind, aber trotzdem mehr als eine Erwähnung wert sind.
Geplant ist, alles Wissenswerte zu einem Bausatz in Wort und Bild.
Fotos von Bauteilen und Details.
Hintergrundwissen soweit es mir bekannt ist zum Modell und auch ein wenig zum Original  einfließen zu lassen.
Da ich noch über einen größeren Vorrat an ungebauten Segelschiffen aus Plastik verfüge,
ist es für mich relativ einfach diese als Bausatzvorstellung zu dokumentieren.
Immer wieder ist mir aufgefallen, dass gerade die jüngeren Modellbauer, viele der alten Kits aus den 1960er bis 1980er Jahren nicht kennen.

Hier nun die nächste Bausatzvorstellung von Plastiksegelschiffen:

Revells englische Galeone Golden Hind

Erscheinungsdatum des Kits bei Revell: ab 1965
Bausatz Nr.: H-325
Farbe des Kunststoffs in den 1960er Jahren hellgrau, später auch in  Weiß.
Länge des Modells: ca 36 cm

ca. ab den 1980er Jahren bei
Heller als Kit Nr. 80829
bis heute (2014) im Programm


Das Original der Golden Hind

Unter Königin Elisabeth I. (1533-1603) wurde die englische Flotte ständig ausgebaut und erreichte eine bis dahin ungeahnte Größe.
Bereits ihr Vater Heinrich der VIII hatte dazu den Grundstein gelegt. Aber erst Elisabeth brachte das ganze zur vollen Blüte.
Das protestantische England setzte auf kleine wendige Galeonen, während der Erzfeind das katholische Spanien größere aber
unhandliche Schiffe baute.
Was dabei herauskam zeigt das Versagen der spanische Armada von 1588.  
Im Dienste von Elisabeth standen Männer wie Hawkins, Forbisher und Drake die genug Mut hatten
sich mit der spanischen Vorherrschaft anzulegen. 1577 beauftragte Königin Elisabeth, Francis Drake mit einer kleinen Flotte
von 5 Schiffen um das Kap Hoorn zu segeln und Spanien in seinen Kolonien an der Westseite Süd und Mittelamerikas zu plündern
und soviel Beute wie möglich zu machen Im Dezember 1577 brach die kleine Flotte auf, aber nur die Golden Hind, die bis dahin
noch den Namen Pelican trug erreichte den stillen Ozean.
Es wurden wohl zahlreiche Veränderungen in der Magellanstraße an der Golden Hind vorgenommen um das Schiff zu tarnen,
so dass die wahre Identität nicht gleich von den Spaniern erkannt werden konnte.
Was ich mir ehrlich gesagt nicht so ganz plausibel vorstellen kann. Ein bisschen Farbe verändert den englischen Schiffstyp nicht.
Will sagen: Man kann mit etwas Farbe und Schnick Schnack keinen Wartburg zu einem Lamborghini pimpen.
Auch eine englisch sprechende Mannschaft ist nicht mit Portugiesen oder Holländern oder Franzosen zu verwechseln.    
Auf jeden Fall verlief die Fahrt an der Westküste hoch, nach Mittelamerika, mit sehr viel Erfolg.
Es wurden Städte geplündert und spanische Schatzschiffe gekapert. Drake gelangte mit der Golden Hind weit nach Norden
bis zum heutigen San Francisco in Kalifornien. Einige Quellen vermuteten das Drake und Hind auf der Suche nach der Nordwestpassage,
es bis in die Gegend von Vancouver/Seattle geschafft haben.
Belegt ist auf jeden Fall der Bereich um San Francisco.
Die Spanier blockierten die Magellanstraße am Kap Hoorn und die Golden Hind musste Richtung Philippinen den Pazifik durchqueren
und um das Kap der guten Hoffnung nach England zurückkehren. Dort kam sie 26 September 1580 nach fast drei Jahren wieder in Plymouth an.
Drake wurde zum Ritter geschlagen, die Golden Hind in Depthford an der Themse ausgestellt.
Das Schiff beherbergte nach Jahren eine Spelunke mit sehr zwielichtiger Klientel und zerfiel immer mehr.
Um 1662 wurden die letzten Reste beseitigt.
Als Originalteile der Golden Hind existieren heute nur noch ein Tisch und ein Stuhl in englischen Museen.


Der Bausatz von Revell

Als Revell 1965 in Deutschland den Bausatz der Golden Hind auf den Markt brachte waren der Name des Schiffs
und auch der von Drake durchaus ein Begriff.
Eine englische Abenteuerserie „Sir Francis Drake“ lief in dieser Zeit auch im deutschen Fernsehen
und hatte gerade für uns damals jüngere eine Vorbildfunktion. Klar wollte man die Golden Hind auch als Modell besitzen.
Revell hat, wie damals üblich, ein sehr schönes Cover der Golden Hind auf seinen Karton gedruckt.



In den 1970er Jahren änderte Revell das Cover. Interessanterweise nach dem Vorbild das Heller Modelle in den 1980er Jahren hatte.
Wahrscheinlich ein Vorzeichen für den späteren Verkauf der Formen an Heller.
Ein gebautes Modell ohne großartigen Hintergrund fotografiert. Nicht gerade verkaufsfördernd.



Der Bausatz der Golden Hind wurde bei Revell anfang der 1970er Jahre auch als Spanische Galeone angeboten.
Artikelnummer war 1972  H-367
Ein paar neue Decals für Segel und Rumpf, ein anderes Wappen am Heck und schon war ein anscheinend neues Schiffsmodell entstanden. Hier ein Verpackungsfoto von damals.



Das war im Modell-Segelschiffbereich in den 1960-1980er Jahren üblich, das ein Modell mit ein paar Wechselteilen zu einem neuen Schiff kreiert wurde,
um billig möglichst viel Gewinn zu machen. Dem Käufer wurde einiges zugemutet. Dieses Kitbashing ist immer mehr als fragwürdig.
Wird aber auch noch heute hin und wieder benutzt. (siehe Zvezda und seine vier Triremen. Griechisch, Cartagisch, Römisch Republik, Römisch Kaiserreich))
In den 1980 Jahren wurde der Golden Hind Kit und die Lizenzrechte dann an Heller weitergegeben.
Hier wird das Modell fast unverändert bis heute angeboten. Die Farbe des Kunststoffs schwankt von weiß bis braun.
Zur Zeit ist es ein angenehmes hellbraun. Ein Farbton mit dem man gut arbeiten kann.
Spachtelstellen sind sehr gut optisch wahrzunehmen, was z.B. bei schwarzem Kunststoff, eine Farbe die Heller Jahrzehntelang benutzte sehr schwer ist.
Heller hat sich die Mühe gemacht und der Golden Hind auch ein sehr schönes Cover als Kartonverpackung spendiert.
Hier ein Foto der aktuellen Heller Verpackung:



Der Inhalt des Kits wurde bei beiden Herstellern in Plastikbeutel eingeschweißt. So fliegen keine Kleinteile lose im Karton herum und gehen verloren.
Die Formen werden nächstes Jahr 50 Jahre alt was man an den vielen Auswerfer Marken sehen kann, die auch auf später sichtbaren Stellen
vorhanden sind und vor dem Zusammenbau weggeschliffen und bearbeitet werden müssen.
so wie hier auf dem Innenboden des Beiboots



Die Bauteile haben einen leichten Grad an den Kanten, und die Zwischenräume weisen oft Fischhaut auf.
Beides lässt sich aber ohne Probleme entfernen.
Die Passgenaugigkeit der Decksteile im Rumpf ist nicht besonders gut und man muss mit Zwingen und sehr viel Druck alles zusammenfügen.
Trotzdem bleiben jede Menge Spalten die gespachtelt werden müssen.
Die Formen sind bis heute in Ordnung und es gibt keine verzogenen Teile.
hier ein paar Bilder von einem bereits im bau befindlichen Revell Modell:







Heller gibt den Maßstab mit 1/200 an, was vollkommener Blödsinn ist. Es geschieht mit Sicherheit aus dem Grund das Heller die
meisten seiner Segelschiffe in 1/150 und 1/200 anbietet. So passt auch die Golden Hind besser ins Verkaufsprogramm
und wird leichter gekauft, da Modellbauer komischerweise immer versuchen Modelle in einem bestimmten Maßstab, den sie sammeln,  
zu bekommen. Die wirkliche, ungefähre Größe des Modells, je nachdem welche Pläne man zu Rate zieht liegt zwischen 1/80 und 1/90.
Hier einige Fotos der Spritzlinge:





Detailfotos vom Heckspiegel und Teilen der Bugpartie.
Sehr schöne Details und Holzstruktur





Hier die Bordwände mit Details. dünne Grade zeigen die begrenzung der verschiedenen Bemalungsfelder der Ornamente,
als Rauten und Dreiecke. Planken am Rumpf sind angedeutet und auch mit versenkten Gravuren!
Für die 1960 Jahre seiner Zeit weit voraus. Bei genauerem Hinsehen sieht man sogar die Nägelköpfe am ende der Planken.
Allerdings ist ausen am Rumpf keine Holzstruktur vorhanden. Seltsamerweise aber bei allen anderen Decks und Wandteilen.







Die Bauteile sind unverändert bei Heller vorhanden. Was sich im Lauf der Jahrzehnte geändert hat sind die Wanten.
Bei Revell waren diese anfangs aus dünnem gummiartigem Material gegossen (siehe Bild)



Bei Heller wurde auf den wantenknüpfrahmen der für Heller obligatorisch ist verzichtet und die Wanten sind aus schwarzem Spritzguß mit im Kit.



Alle drei Varianten, gummiartiges Material, Spritzguss Teile und Wantenknüpfmaschine, sind nicht die Erfüllung.
Besser man fertigt eigene Wanten aus Garn direkt am Mast und verknüpft diese dann.
Die tiefgezogenen Segel können vom Modellbauer auch gegen schönere aus Stoff oder Papier ausgetauscht werden.
Der Flaggensatz aus Papier und die Nassschiebe-Decals  für die Heckgalerie sind nach 50 Jahren immer noch die gleichen.
Bei Heller wurden zeitweiße auch die Flaggen als Decal dem Kunden angeboten(sieh unten links im Bild)



Seltsamer Weise hat Heller auf die  5 Figuren die bei Revell noch mit dabei waren komplett verzichtet.
Vier Seeleute und Drake mit Helm und Brustpanzer.Grund könnte sein das ein findiger Modellbauer hier am ehesten merkt
das der erfundene Maßstab 1/200 nicht stimmt!

Wer über etwas Modellbauerfahrung verfügt kann aus dem Kit sicher ein schönes Modell einer kleinen 3 mastigen englischen Galeone bauen.

Fazit:

Modell ist auf jeden Fall empfehlenswert.

+ schönes Modell einer kleinen 3 mastigen englischen Galeone

+ Preis/leistungsverhältnis ok

+ verfügbarheit über mehrere Jahrzehnte

- setzt etwas Erfahrung im Segelschiffmodellbau voraus um zu einem guten Ergebnis zu kommen
 (z.B. das umfangreiche bemalen der Bordwände mit entsprechenden Ornamenten)

- wenig Holzstruktur auf den Rumpfteilen

- sehr schlechte Passform der Decks im Rumpf (erfordert Spachtel und Schleifarbeiten)

 trotzdem bekommt dieses Modell von mir 5 von 5 Sterne

bis demnächst

Gruß Albrecht
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BeitragThema: Re: Bausatzvorstellung Teil 2 Revell/Heller Golden Hind   Sa 6 Dez 2014 - 18:24

Hallo Albrecht
Dieses Modell habe ich in den 60er Jahren gebaut und es hat mir sehr gut gefallen. Vor allem die Lackierung der Bordwand, Heckbereich, hat mir viel Probleme bereitet und auch viel Arbeit. Schade, dass dieses Modell nicht mehr in meinem Besitz ist. War damals eine schone Bastelarbeit und wie Du schon geschrieben hast auch noch heute sehr empfehlenswert.

Grüße
Peter

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BeitragThema: Re: Bausatzvorstellung Teil 2 Revell/Heller Golden Hind   Sa 6 Dez 2014 - 19:08

Hallo Albrecht,

habe die Golden Hind auch (geschenckt bekommen) darauf hin habe ich bei( Wiki ) dwen Bericht gelesen.
Deiner ist noch ausführlicher danke dafür.

Gruß Kurt
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BeitragThema: Re: Bausatzvorstellung Teil 2 Revell/Heller Golden Hind   So 7 Dez 2014 - 21:06

Guten Abends Albrecht,

ein sehr schöner Bericht und gute Informationen zu einem Meilenstein der Plastikbausätze von
Segelschiffen.
Da ich diese besonders liebe habe ich Deinen Bericht aufmerksam gelesen.

Ich sage einfach: Danke dafür......

Grüße

XEDOS
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